Gestern morgen um halb fünf klingelte bereits der Wecker, denn um sechs Uhr sollten wir uns samt Auto am Fähranleger in Bella Coola einfinden, um die Queen of Chilliwack, die uns nach Port Hardy auf Vancouver Island bringen sollte, zu boarden. Trotz der frühen Zeit waren wir voller Vorfreude, denn in allen Reiseführern wird dieser Trip durch die sogenannte Discovery Coast Passage, der durch zahlreiche Fjorde führt, als Highlight der Reise angepriesen, nicht zuletzt auch wegen der Möglichkeit, Delphine und Wale hautnah und in freier Wildnis zu erleben.
Am Abend zuvor hatten wir in unserem Hotel (dem einzigem im ganzen Ort) schon viele unserer morgigen Mitfahrer gesehen und z.T. kennen gelernt, man kann es mal als eine bunte Reisegruppenmischung á la „Hummeldumm“ bezeichnen, aus der sich direkt am Abend schon zwei Gruppen besonders hervortaten: Einerseits die große Anzahl an Holländern, die durch Unmengen an Kaffeekonsum und holländischen Redeschwallen die Reise bereicherten, und ein englischer Vater samt seiner beiden ca. zwölf jährigen Söhne, die schon im Hotelzimmer neben uns solch einen Lärm veranstalteten, dass wir bereits in der Nacht vor der Fähre keinen wirklichen Schlaf gefunden haben. Aber dazu später mehr...
Erstaunlich war jedoch, dass zur vereinbarten Uhrzeit von sechs Uhr morgens NIEMAND an dem Fähranleger stand, was zu leichten Irritationen unsererseits führte, bis wir herausgefunden hatten, dass das Ferry Line-up aus Platzgründen nicht direkt am Hafen, sondern vor dem einzigen Geschäft im Ort, einem Coop Markt, stattfand...;-) Dort nach einer stressigen Rückfahrt vom Fähranleger angekommen, waren wir dann auch so ziemlich die letzten in der Schlange von reiselustigen Abenteurern und nach einem schnellen Check-In ging es pünktlich mit dem Auto in die Fähre und an Deck. Dort sollten wir die nächsten 25 Stunden ohne Kabine verbringen, denn leider ist es trotz Übernachtfahrt nicht möglich, eine Kabine auf der Fähre zu buchen. Immerhin gab es aber einen geschlossenen und gut klimatisierten Innenraum mit sogenannten Reclining Seats, auf denen man es sich – ähnlich wie im Flugzeug – einigermaßen gemütlich machen konnte. Es gab natürlich auch die Gruppe der totalen Outdoor- und Survivalfreaks, die – nicht wie wir – in der Nacht zugedeckt mit unserer Fleecejacke und einem großen Handtuch geschlafen haben, sondern neben Isomatte, Luftmatratze, Kissen, wasserdichtem Schlafsack etc. wirklich alles dabeihatten, was man sich nur vorstellen kann... Entgegen unserer Erwartungen vergingen die Stunden durch die schöne Landschaft, die an uns vorbeizog, wie im Fluge. Der Kapitän war wirklich sehr daran interessiert, dass die Urlauber auch wirklich jeden Berg, Fels oder Baum beim Namen kannten, und hat das Schiff immer wieder angehalten, damit alle ausreichend Fotos schießen konnten. Sehr nett...
Ein Highlight war die bereits bei der Abfahrt vom Kapitän kühn angekündigte Dolphin Show, bei der wir den unvergesslichen Moment erleben durften, mit dem Schiff durch eine Gruppe von mehr als hundert Delphinen zu fahren, die unser Schiff zeitweise begleiteten und tolle Fotomotive bildeten...
Zusätzliche Highlights der Fahrt waren drei Landgänge, der erste in Ocean Falls, eine ehemals bekannte Urlaubsstadt von ca. 4000 Einwohner, die mittlerweile nur noch von 75 Personen bewohnt wird, die lediglich durch die Fähre mit der Außenwelt verbunden sind, also eine Art Ghost Town mit einer Menge leer stehender Gebäude.
Weitere Landgänge waren in Shearwater und Bella Bella möglich. Dort hatten wir die Gelegenheit, Adler zu beobachten.
Am Abend wurden in der Großraumkabine sogar diverse Filme auf Englisch gezeigt, darüber hinaus gab es drei Mahlzeiten und die Möglichkeit einzukaufen.
Wir wurden jedoch die ganze Fahrt über königlich von der englischen Vater-Söhne-Kombo „unterhalten“. Die beiden Halbwüchsigen hatten wirklich nichts besseres zu tun, als sich ca. 6 Stunden am Stück (ungelogen nicht übertrieben) nach Manier aller verschiedenen gängigen Videospiele zu prügeln und zu schlagen... Da der Vater überhaupt nicht einschritt, schien dies wohl an der Tagesordnung zu sein... Dazu wurden dann noch wichtige Slogans und Äußerungen englischer Filme wie „Don’t kick the captain“ geboten. Die gesamte Launcharea war fasziniert von diesem Schauspiel, einige kriegten sich nicht mehr ein vor lachen, anderen war das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Als die beiden sich dann kopfüber ihre Schlafsäcke überzogen und damit im Gang ineinander liefen, war die Geduld vieler Passagiere überstrapaziert...
Gegen elf wurde das Licht in der Launch dann ausgeschaltet und man machte es sich mehr oder weniger auf seinem Sessel bequem und versuchte zu schlafen, was erstaunlicherweise und dank der ruhigen See bis ca. drei Uhr sehr gut geklappt hat.
Danach ist Britta leider aufgewacht und als sie merkte, dass das Schiff aus den schützenden Fjorden in die offene See gefahren war und es ordentlich schaukelte, war es mit ihrer entspannten Nachtruhe vorbei. Immerhin gelang es ihr, noch bis ca. sechs Uhr zu dösen, dann drang der Geruch von gebratenem Speck, Eiern und Pancakes in die Kabine und der Kapitän wünschte uns allen einen guten Morgen...
Leider war das Wetter bei unserer Ankunft in Port Hardy diesig, aber wir waren einfach nur froh, als wir gegen neun Uhr morgens in unserem Auto von der Fähre fuhren. Dann galt es, noch weitere 250km Richtung Süden zu unserer heutigen Unterkunft, Campell River, zu fahren, wo wir jetzt müde ins Bett fallen.
Wir wünschen Euch einen schönen letzten Liboritag...




Hi, Ihr zwei!
AntwortenLöschenIst doch herrlich, sich schonmal (k)eine Möglichkeit der Erziehung seiner Kinder anzusehen... Dank dem umsichtigen Vater der zwei Rabauken ;-)
Tolle Fotos!
Liebe Grüße,
Tanja